Numismatik

Münzdesigner Jordi Truxa

Nicht mit und nicht ohne Münze

Sammler kennen und lieben ihre Münzen. Wie sie aber entstanden sind, wissen nur die wenigsten. Bevor eine Münze überhaupt geprägt wird, braucht es einen passenden Entwurf. Und der kommt nicht von ungefähr oder irgendwo, sondern von einem Künstler oder Münzdesigner. Münzdesign – das klingt so schön außergewöhnlich, und auch ein bisschen extravagant. Für den freischaffenden Künstler Jordi Truxa schwingt bei dem Begriff weit weniger Exotik mit – für ihn ist Münzdesign schlicht Teil seines Jobs.

Doktor des Handwerks

Das Edelmetall bekommt aber nur rund die Hälfte seiner Zeit zugestanden. Den Rest verbringt der 44-jährige als Industriedesigner in einem klassischen Designbüro. Die künstlerische Denkweise hat der Mann mit dem außergewöhnlichen Namen und den katalanischen Wurzeln – in einer Familie aus Malern, Grafikern und Druckern verwundert das kaum – „schon mit der Muttermilch aufgesogen“. „Manchmal“, erzählt Truxa, sei das „Fluch und Segen“ zugleich. Ebenfalls zu gestalten war aber trotz oder gerade wegen der prägenden Wurzeln „ein sehr früher Wunsch“. Idealerweise würde sich etwas im Kunsthandwerk finden und – als erklärter Metallfan – am liebsten ein Metallberuf. Truxa, der damals noch Regel heißt, recherchiert sich munter durch die möglichen Berufsfelder: Schmied, Goldschmied, selbst Computer waren kurz ein Thema. „Die enthalten ja auch Metallteile“, schiebt Truxa schmunzelnd hinterher. Nach erfolgreicher Bewerbung beginnt der Berliner seine Ausbildung zum Reliefgraveur bei der Staatlichen Münze Berlin. Ein Kapitel, das er 1994 als Jahrgangsbester mit Auszeichnung beendet. Als Prämie spendiert die Handwerkskammer die Meisterausbildung. Kaum hat er 1996 den Meisterbrief – für ihn sowas wie „der Doktortitel des Handwerks“ – in der Tasche, hält erstmals Ernüchterung Einzug: „Die Ausbildung war super, aber ich war nicht kreativ.“ Er fühlt sich „wie ein Kopist, wie die Exekutive für etwas, das andere vorlegen“. Diese Enttäuschung bringt ihn doch noch auf den akademischen Weg – er holt das Abitur nach und studiert ab 1997 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Industrie- und Produktdesign. Das eigentlich so geliebte Metall rückt zu dieser Zeit in den Hintergrund.

Brillanz, Klarheit und Harmonie

Erst sein Professor Heinz Hoyer, selbst bekannter Münzdesigner, holt das Thema Münzen aus dem Dornröschenschlaf, in den Truxa es geschickt hat. Hoyer ist damals Motivator und Mentor, heute sogar Freund. Als das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2001 einen studentischen Wettbewerb zur Förderung junger Künstler in der Münzgestaltung ausruft, erhält Jordi Truxa den dritten Preis. Schon damals lobt die Jury die „Brillanz, Klarheit und Harmonie“ seines Entwurfs. Der Wettbewerb katapultiert Truxa zudem in die amtseigene Künstlerkartei. In der muss gelistet sein, wer sich an einem der offiziellen Münzwettbewerbe beteiligen möchte. Diesmal bleibt Truxa den Münzen treu, wenngleich nicht mehr nur als Graveur, sondern als Künstler.

Jordi Truxa ist ein Freund von Minimalismus – im Atelier und auf seinen Münzen

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Helfer und Saboteur zugleich

Ein- bis zweimal im Jahr wird er zu solchen Ausschreibungen eingeladen. Nicht selten mit Erfolg: eine 2-Euro-Münze (Sachsen) und diverse 10-Euro-Münzen (50 Jahre Deutsches Fernsehen, 150. Geburtstag Gerhart Hauptmann, 125 Jahre Automobil, 250. Geburtstag Mozart) wurden bislang nach Truxas Entwürfen geprägt. Und obwohl er durchaus ein Fan klassischer Musik ist, „war das Thema Mozart weniger spannend“ als abstrakte Themen, „die finde ich interessanter“. Zwar darf das Motiv frei gestaltet werden, ein paar Regeln gibt es aber schon: werblich darf es nicht sein, politisch auch nicht und allzu abstrakt genauso wenig. Technisch habe man sich ebenfalls an bestimmte Vorgaben, etwa die vorgegebene Umschrift oder die Reliefhöhe, zu halten. Seine Herangehensweise folgt stets einem festen Phasenmuster: Recherche, Konzeption, Entwurf, Visualisierung, Modellbau. Innerhalb dieser Schritte springt Truxa schon mal zwischen manueller und softwaregesteuerter Arbeit hin und her. Wie schnell eine Idee kommt, lässt sich nie kalkulieren. Bei manchen Projekten denke er sich sofort „Heureka, ich hab’s!“, bei anderen entstehe die finale Idee stufenweise. Die Recherche stellt sich häufig als Helfer und Saboteur zugleich heraus, weil man in einen Tunnel aus Informationen gerate. Obwohl die Ideen- und Gestaltungsarbeit die größte Herausforderung sei, gefällt ihm die Tatsache, dass mit jeder Recherche „das Allgemeinwissen wächst“. Am Ende entsteht ein Gipsmodell, das mit 163 Millimetern fünfmal so groß ist, wie die spätere Münze. Welcher der anonym eingereichten Entwürfe prämiert wird, entscheidet eine siebenköpfige Jury aus Numismatikern, Künstlern, Themenkennern und Bundesvertretern. Auch auf dieser Seite des Wettbewerbes stand Jordi Truxa schon – als Vorsitzender des Preisgerichtes. Dass man den Münzdesigner dadurch zwangsläufig als kreativen Kopf und Teilnehmer verliert, gefiel den Verantwortlichen aber so gar nicht: „Man wollte mich lieber weiter als Künstler dabei haben.“ So steuert er inzwischen wieder Entwürfe statt Bewertungen bei.

Kaum feste Rituale

Sein Atelier hält als Wohlfühlraum her: Licht, Musik, Bilder, Ergonomie – hier ist alles, wie es dem Künstler gefällt. Und aufgeräumt. Truxa vermutet, dass seine Ausbildung Spuren hinterlassen hat: „Im Handwerk hat alles seinen Platz, nach der Arbeit wird weggeräumt.“ Das Vorurteil des chaotisch umherwuselnden Künstlers ist hier also alles andere als zutreffend. Auch wenn Truxa sich bei seiner Arbeit kaum an festen Ritualen orientiert, eines gibt es doch: Wann immer er am Ende einer Arbeitseinheit ein Teilstück abschließen könnte, verzichtet er darauf und hebt es sich für den nächsten Tag auf. So sei er „sofort wieder im Thema“. Wenn es Ergebnisse auszutauschen gibt, holt er seine Frau – auch sie ist Künstlerin – ins Boot.

Nur ein großer Hype

Die fertigen Münzen interessieren ihn dann weniger. Belegexemplare – „meine Babys“, wie Truxa sie nennt – hat er natürlich. Dazu kommen einige Stücke von befreundeten Künstlern. Als Sammler sieht er sich jedoch nicht. Leidenschaftlichen Numismatikern würde bei Truxas Worten glatt schwindelig werden: Die Aufbewahrung? Sieht er nicht so eng, alle Münzen kommen in eine sichere Box. Die Echtheitszertifikate? Hat er – sehr zum Missfallen seiner Frau – weggeworfen. Der Künstler selbst sieht es gelassen: „Mein Interesse liegt größtenteils in der Gestaltung, weniger in der Wertanlage.“ Mit dem Segeln habe er „sein“ Hobby ohnehin schon vor rund zwanzig Jahren für sich entdeckt. Auch in Sachen Material hat er eine klare Meinung: Die Polymerring-Ausgaben, für viele Numismatiker seit 2016 Anlass ungebremster Freude, sind für ihn „nur ein großer Hype und sehr kitschig“. Für den Designer bedeute ein solcher Ring nur eine wesentlich verkleinerte Bühne mit Barriere. „Da ist weniger mehr.“

Kontakt zur Münze in Berlin – mindestens wenn Absprachen oder die Erstprägung eines seiner Designs anstehen – hat er übrigens noch immer. Eine Rückkehr in die Prägestätte scheint aber momentan eher ausgeschlossen, schließlich habe der zweifache Vater sein „Bedürfnis und Hobby zum Beruf gemacht“.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Jordi Truxa zur Verfügung gestellt.

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