Denar

Denar aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. mit Porträt von der Göttin JunoEin Denar aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. mit Porträt der Göttin Juno

Denar

Der Denar (lat. Denarius, von deni: je zehn, Plural Denarii) bezeichnet eine antike, mittelalterliche und neuzeitliche Münze. Er wurde zunächst als ca. 4,55 g schwere Silbermünze hoher Feinheit geprägt, verlor über die Jahrhunderte durch Inflation immer mehr an Wert und war schließlich kupfern.

Die Übersetzung „je zehn“ bezieht sich auf die Wertigkeit im Verhältnis zum römischen Bronze-As. Frühe römische Denarii trugen deshalb ein „X“ (für zehn Bronze-Asse) im Gepräge. Später wurde ein „XVI“ (für 16 gewichtsmäßig verringerte Bronze-Asse) auf die Münzen gerpägt, da es um etwa 130 v. Chr. zu einer Metallpreisverschiebung zwischen Silber und Bronze kam. Ab ca. 100 v. Chr. wurde auf Angabe der Wertigkeit wieder verzichtet.

 

Antike

Knappe 500 Jahre lang (von ca. 211 v. Chr. bis in das 3. Jahrhundert n. Chr.) war der Denar die Hauptsilbermünze Roms. Die damalige Kaufkraft gemessen an heutigen Waren und Dienstleistungen beträgt um 13 v. Chr. etwa 15 bis 25 Euro. Bis in Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. verringerte sie sich auf wenige Euro, um dann im 3. Jahrhundert n. Chr. aufgrund des niedrigen (fast nicht mehr vorhandenen) Silbergehalts auf wenige Cent zu verfallen.

Der Silberpreis aus heutiger Sicht (03.11.2015) beträgt bei einem Denar mit einem Raugewicht von 4,55 g ungefähr 2 Euro. Dieser kann allerdings nicht mit der damaligen Kaufkraft gleichgesetzt werden, da die Silbergewinnung viel aufwändiger und weniger produktiv war als heute. Das ging mit einem wesentlich höheren Silberpreis einher.

Vermutlich wurde der Denar bereits während des zweiten Punischen Krieges (218 bis 201 v. Chr.) innerhalb der römischen Republik erstmals als Kurantmünze geprägt. Eine Kurantmünze bezeichnet eine Münze, deren Nominalwert nahezu vollständig durch den Wert des (Edel-)metalls, aus dem sie besteht, gedeckt ist. Der Denar bildete zusammen mit dem As bis zur Währungsreform unter Kaiser Augustus (ab 27 v. Chr.) ein Kurantwährungssystem mit einem Verhältnis von 1:120.

In Kriegszeiten wurden des Öfteren versilberte Kupferdenare zum Zwangskurs ausgegeben und nach Kriegsende angeblich wieder in echte Silberdenare eingetauscht. Jedoch wurde der Silbergehalt ab 64 n. Chr. durch die zunehmende Beilegierung von Kupfer immer geringer. Um 200 n. Chr. lag er nur noch bei ca. 40 bis 50 % und so wurde der Denar eine Billonmünze. Billon bezeichnet eine Legierung aus Silber und Kupfer, deren Silbergehalt weniger als 50 % beträgt.

In Folge dessen wurde der Denar endgültig eine Scheidemünze mit Bezug auf den Aureus. Scheidemünzen sind genau das Gegenteil von Kurantmünzen, also Münzen, deren Nominalwert nicht durch den Materialwert gedeckt ist. Moderne Beispiele sind die Euro-Münzen. Neben Kupfer wurde den Münzen auch Blei oder Zinn beilegiert, was dazu führte, dass die Münzen nicht ganz so schnell rötlich und dunkel wurden.

Die Münzverschlechterungen verschiedener römischer Nominale verliefen über die Jahrhunderte nicht gleichmäßig. Zwischenzeitlich wurden Raugewicht und Feingehalt wieder erhöht, vielleicht durch die höhere Verfügbarkeit von Edelmetallen (z.B. Beutemetall). Jedoch konnten diese Tatsachen die Tendenz des Werteverfalls im Laufe der Jahrhunderte nicht beeinflussen.

Gestaltung

Die ersten Denare nach 211 v. Chr. trugen fast ausschließlich Kopfprofile verschiedener Götter (Mars, Roma, Bellona, Diana), da es nicht üblich war lebende Personen abzubilden. Die Tradition meist weibliche Schutzpatroninnen und Götter zu verewigen, hielt sich bis heute: Britannia, Germania, Helvetia und weitere Allegorien für Länder Regionen und Städte. Ebenfalls findet man auch in der Moderne noch Adler, Kronen, Zepter, Füllhörner, Lorbeer- und Eichenlaub auf verschieden Zahlungsmitteln.

Unter den Diktatoren Sulla und Pompeius, aber besonders bei Caesar wurde anstelle eines Gottes der Kopf des nun „gottgleichen“ Münzherrn auf die Denarii geprägt, wenn auch nicht auf alle. Relativ früh war es üblich den Namen des Münzmeisters und einige Stempelzeichen mit einzuprägen, was die Qualität der Münzen garantieren sollte. Nach und nach wurde dies weniger, da der Platz dem kaiserlichen Münzherrn vorbehalten blieb.

Während der Kaiserzeit wurden die Münzen fast ausschließlich mit einem natürlichen (ungeschönten) Porträt mit Lorbeerkranz und einer umfangreichen aber abgekürzten Auflistung der Titel des Münzherrn versehen. Dies ermöglicht eine recht genaue Datierung der Münzen aber auch der Fundumstände. Daneben gab es auch Prägungen mit der Ehefrau, der Mutter oder des (Adoptiv-)Sohnes des Kaisers.

Die Rückseiten sind sehr unterschiedlich gestaltet und wurden meist zu Propagandazwecken eingesetzt. Sie verwiesen durch Allegorien beispielsweise auf die Fürsorge, die Heldentaten des Kaisers oder bestimmter Legionen. Allgemein lässt sich sagen, dass besonders die römischen Münzen in einer Epoche des Analphabetismus mit allegorischen Figuren versehen wurden, die eine hohe Symbolkraft hatten. Sie dienten als eine Art Flugblätter, da es keine andere Art der bildlichen Kommunikation gab.

Anders als bei den Messing- und Bronzemünzen lag das Gestaltungsrecht der Edelmetallmünzen (Aureus und Denar) beim Kaiser. Allerdings bestimmte er in einigen Fällen auch bei der Gestaltung der Bronzemünzen mit, wenn ihm die Darstellung eines bestimmten Motivs wichtig war. Letztere eigneten sich aufgrund ihres höheren Durchmessers noch besser für Propagandazwecke.

Prägequalität

Die hohe Abbildungsqualität fester Prägestätten ging mit dem Zerfall des römischen Reiches verloren und konnte erst um 1500 wieder erreicht werden. Die römischen Denarprägungen können grob aufgeteilt werden in echte in Rom oder Italien geprägten Münzen, Provinzialprägungen, Militärprägungen auf Feldzügen und barbarischen Nachahmungen (Fälschungen).

Obwohl die Teilstücke des Denars, wie das bronzene As oder Sesterzen damals viel häufiger geprägt wurden, sind diese sehr selten in guter bis sehr guter Erhaltung anzutreffen, weil die Materialien viel korrosionsanfälliger sind. Aus diesem Grund ist ein normaler Silberdenar im Vergleich zu gut erhaltenen Messing- und Bronzemünzen relativ günstig zu erwerben.

Mittelalter

Im 8. Jahrhundert wurde der Denar durch die Münzreform von Karl dem Großen als Hauptmünze des Karolingerreiches eingeführt und war gleichbedeutend mit dem Pfennig. Auch der französische Denier, der portugiesische Dinheiro und Dinar leiten sich vom Denar ab.

Frühe Neuzeit

In der frühen Neuzeit blieb war der Denar in einigen Ländern auch außerhalb des Heiligen Römischen Reiches als Kleinsilbermünze anzutreffen. So beispielsweise unter Kaiser Leopold I. (1658-1705) im Königreich Ungarn.