Adler packt Schlange

"Adler packt Schlange" als symbolische Abbildung auf Münzen

Die Kombination von Adler und Schlange entspricht einem Urmodell. Die Abbildung, in einer ihrer vielen Varianten, drückt in vielen Kulturen die Beziehung männlich-weiblich, himmlisch-erdhaft, auch gut-böse, aus. Zu unterscheiden ist dabei ein Miteinander von einem Gegeneinander, wie es bei der Darstellung eines Kampfes zwischen den beiden Tieren häufig der Fall ist.

Daraus ergab sich im Abendland eine Vorstellung der Urfeindschaft zwischen Adler und Schlange, welches nach dem Sieg des Christentums mit Bezug auf Christi interpretiert wurde. Hier ist der mächtige Adler das Gute, dass das Böse oder den Tod, symbolisiert durch die Schlange, besiegt hat. Der Kirchenvater Ambrosius sagtes: "Unter dem Adler ist Christus zu verstehen, der sich im Flug zur Hölle niederließ ... Mit erschütterndem Schrei hat er in gewaltigem Flug die Hölle erstürmt und ist – mit den Heiligen als Beute – zum Himmel zurückgekehrt." Das schlangenvertilgende Motiv des Adlers setzte sich in der Kirche des Morgen- wie des Abendlandes durch, beispielsweisewurde auch der Johannes-Adler seit dem 9. Jahrhundert  auf den Adler-Pulten mit einer Schlange in den Fängen dargestellt.

 Die Deutung als Kampf zwischen Gut und Böse legte auch eine politische Übetragung nahe. Eine bekannte frühe Darstellung ist die der kaiserfreundlichen Ghibellinen gegen die kaiserfeindlichen Guelfen in Italien. Die Guelfen stellten einen roten Adler mit einer Schlange oder einem Drachen in den Fängen dar, um ihren zukünftigen Sieg über die Ghibellinen zu symbolisieren. Auch spätere politische Propaganda nutze dieses Motiv. Während der Neuzeit nutze vor allem Preußen das Bild, was sich vermutlich aus dem Adler als preußisches Hoheitszeichen ergab. Das Bild "Adler packt Schlange" auf der 3-Mark-Münze zum 100-jährigen Jubiläum der Freiheitskriege von 1913 steht symbolisch für die Fremdherrschaft in Deutschland unter Napoleon und ist damit älter als das deutsche Kaiserreich. Die Vorderseite dieser Münze zeigt ein jubelndes Volk, das seinen König, Friedrich Wilhelm III. von Preußen hoch zu Roß, in national-wehrhafter Eintracht umgibt. Auf der Rückseite ist zu sehen, wie ein Adler eine Schlange packt. Die Schlange war das Symbol für die napoleonische Fremdherrschaft. Diese Abbildung passte zur derzeitigen franzosenfeindlichen Stimmung unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Auch später wurde das Bild genutzt. So wurde 1944 eine fast identische Adler & Shlange-Darstellung auf einer Briefmarke zur Erinnerung an den Hitler-Putsch vom 9. November 1923 gedruckt.

Die neueste und heutzutage wohl bekannteste Abbildung des Adlers und der Schlange ist wohl das mexikanische Wappen. Der mexikanischen Legende nach hat sich der Gott Huitzilopochtli, der die Azteken auf der Suche nach neuem Siedlungsraum geführt haben soll, vor etwa 8000 Jahrenan der Stelle, wo die neue Stadt Tenochtitlan ("Im Nabel des Mondes - Ort des Feigenkaktus") entstehen sollte, niedergelassen. Dort erschlug der Adler eine Schlange und verzehrte sie auf einem Feigenkaktus. Heute ist die Gegend der ehemaligen Aztekenstadt Mexiko City, die Hauptstadt des Landes. Desweiteren kann man die Adlerdarstellung als national Wappen laut dem Amerikanist Walter Krickeberg auch dahingehend interpretieren, "dass sich das gesamte Weltgeschehen aus dem Kampf polarer Gegensätze ergibt, denn der Adler bezeichnet die Sonne und den Tageshimmel, die Schlange den Sternengürtel des mexikanischen Tierkreises und den Nachthimmel". Nichtsdestotrotz muss sich das Motiv des Adlers mit den gespreitzten Flügeln und der Schlange in den Krallenin der Erinnerung der indigenen Bevölkerung trotz der jahrhundertelangen spanischen Kolonisation erhalten haben. Nach der unabhängigkeit wurde das Symbol 1815 in das Wappen Mexikos gesetzt und ist bis heute unverändert.