Bargeldabschaffung

Die Abschaffung des Bargeldes

Spätestens seit der Verkündung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB), die 500-Euro-Banknote im Jahr 2018 abschaffen zu wollen, ist auch ein Ende des gesamten Bargeldverkehres wieder in aller Munde. Doch nicht allein der Entschluss von Europas Währungshütern mehrt die Spekulationen über eine gänzliche Verbannung von Münzen und Scheinen aus unseren Portemonnaies.

Nach Ansicht vieler Geldexperten gibt es bereits seit Längerem weltweit unverkennbare Anzeichen, dass in wenigen Jahren komplett bargeldlose Zeiten anbrechen werden. So scheint es vor allem in den skandinavischen Ländern keine Frage mehr des „Ob“, sondern nur des „Wann und Wie“ der Bargeldabschaffung zu sein.

Euro Bargeld im Portemonnaie

Bargeld: Portemonnaie mit Euromünzen

Deutsche lieben Bargeld

Während laut Berechnung der Bundesbank im Jahr 2014 hierzulande fast 80 % aller Transaktionen und über 53 % der Einzelhandelsumsätze mit Bargeld erfolgten, bezahlt man in Schweden und Dänemark bereits seit Jahren größtenteils bargeldlos. Ob im Supermarkt, am Getränkestand, im Taxi oder auf einem Flohmarkt – in Skandinavien ist der Bezahlvorgang mit Kreditkarte oder mobil via Smartphone-App längst alltäglich.

Der nichtelektronische Zahlungsverkehr wurde nahezu komplett abgeschafft. So nehmen beispielsweise viele schwedische Banken und Supermärkte keine Münzen und Banknoten mehr an und auch dänische Tankstellen, Restaurants und kleinere Läden dürfen mittlerweile eine Bargeldzahlung ablehnen. Beschränkung des Bargeldverkehrs Doch auch in vielen Euro-Ländern sind die Anzeichen für ein schleichendes Verschwinden von Papier- und Münzgeld unverkennbar.

Beispielsweise wurden in Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, der Slowakei und Spanien die zulässigen gesetzlichen Obergrenzen bei Bargeschäften in den letzten Jahren spürbar und kontinuierlich gesenkt. Eine derartige staatliche Beschränkung des Bargeldverkehrs gibt es in den Niederlanden zwar nicht, jedoch wird auch hier das Bezahlen mit Karte und Handy immer mehr forciert. Sogar in Rumänien, einigen afrikanischen Staaten und in Indien gehört der elektronische Zahlungsverkehr bereits zum Alltag.

Umlaufmünzen-Raritäten aus Finnland

Auch in Finnland hat das Bar- bzw. Münzgeld einen weitaus geringeren Stellenwert als in Deutschland. So verzichten die Finnen seit jeher offiziell und bewusst auf Kleinstgeld – „krumme“ Beträge werden beim Bezahlvorgang in der Regel auf- oder abgerundet. Daher gehören 1- und 2-Cent-Münzen mit finnischer Prägung in Sammlerkreisen zu den gesuchtesten Raritäten.

Sie wurden lediglich in einer sehr geringen Auflage geprägt und gelangen praktisch nicht als Wechselgeld in den Umlauf. Auch in den Niederlanden misst man den Ein- und Zwei-Cent-Stücken kaum Bedeutung zu. Ähnlich wie in Finnland galt auch hier die Auf- und Abrundungsregel schon vor der Einführung des Euro.

Vor- und Nachteile bargeldlosen Zahlungsverkehrs

Während die Befürworter eines bargeldlosen Wirtschaftsraums sich neben schnelleren und bequemen Zahlvorgängen auch eine Umkehr in der Nullzinspolitik sowie ein Ende von Terror- und Drogenfinanzierung und internationaler Geldwäsche versprechen, befürchten Kritiker eine jähe Vernichtung einer jahrtausendealten Menschheitskultur.

Zudem würde ein ausschließlich elektronischer, digitaler und zunehmend kontaktloser Zahlungsverkehr die Abgabe von Anonymität und einen massiven Eingriff in die Privatsphäre nach sich ziehen. Denn aus den beim E-Payment mit Karte oder Smartphone hinterlassenen Spuren und Daten können schon heute unbemerkt Bewegungs- und Persönlichkeitsprofile erstellt und diese von Konzernen oder Kriminellen missbraucht werden. Darüber hinaus gehe, so die Kritiker, durch bargeldlosen Zahlungsverkehr die Wertschätzung für eine Ware oder Dienstleistung sowie das Verhältnis zum eigenen Vermögen verloren.

Münzensammeln – ein Hobby mit Zukunft

Ganz gleich, wohin sich das Geldwesen in den nächsten Jahren auch entwickeln wird: Das Sammeln von Münzen ist und bleibt ein lohnendes Hobby. Ob mit den Kostbarkeiten und „Zeitzeugen“ der Bargeldhistorie oder –sollten die mahnenden Argumente der Kritiker doch noch rechtzeitig erhört werden – auch in Zukunft mit unerschöpflich vielen numismatischen Neuheiten aus aller Welt.