Brasiliens Olympia-Münzprogramm

Die Spiele der XXXI. Olympiade

Am 5. August 2016 wurden die die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro eröffnet. In einer numismatischen Gesamtschau stellen wir das hierzu geprägte Münzprogramm des Gastgeberlandes vor.

Welch eine Ehre und zugleich Bürde für das Gastgeberland Brasilien, dem größten Staat Südamerikas und – nach Russland, Kanada, USA und China – fünftgrößten Land der Welt. Die gewaltige Bedeutung seiner olympischen Gastgeberrolle manifestiert sich auch in Brasiliens Münzprogramm zu Ehren der Spiele der XXXI. Olympiade, was es in dieser großangelegten Form noch nie zuvor in der Münzgeschichte des Landes gegeben hat.

Angesichts dieser historischen Besonderheit und der Tatsache, dass Olympiamünzen weltweit – nicht zuletzt auch in Deutschland – zu den beliebtesten Sammelgebieten gehören, erscheinen die Prägemengen der brasilianischen Ausgaben äußerst bescheiden.

Größtes Münzprogramm des größten Landes Südamerikas

Nimmt man bei der Betrachtung die Bevölkerungszahl hinzu, wirken die Münzauflagen noch geringer. So gibt es von den Silbermotiven nur jeweils 25000 Exemplare bei über zweihundert Millionen Einwohner.

Im Vergleich dazu muten die Millionenauflagen der Silbermünzen im Olympiaprogramm der Bundesrepublik Deutschland zu den Sommerspielen in München 1972 – bei einer damaligen Bevölkerungszahl von rund sechzig Millionen – geradezu astronomisch an. Trotz der relativ kleinen Auflagen aber stieß die staatliche Prägestätte Brasiliens, die „Casa da Moeda do Brasil“, bei der Produktion des Rio-2016-Münzprogramms kapazitätsmäßig an ihre Grenzen.

Deshalb gab es zur Enttäuschung der internationalen Sammlerschaft vielfache Verzögerungen bei der Distribution ins Ausland. Mittlerweile, und damit noch rechtzeitig zur Eröffnung der Spiele, sind die brasilianischen Olympiamünzen auch in Deutschland angekommen, wobei sie aufgrund der hohen Nachfrage im lizensierten Fachhandel teilweise schon vergriffen sind und – wenn überhaupt – nur noch über den Zweit- und Drittmarkt zu erhöhten Preisen erhältlich sind.

Silberserien zu Architektur, Fauna, Flora und Musik

Für das große Interesse an den Rio-2016-Gedenkmünzen Brasiliens sorgt auch deren ansprechende Gestaltung.

Angefangen beim Kern des olympischen Münzprogramms, den 16 Sterlingsilber-Münzen mit ihren doppelseitigen Motiven, geprägt mit 5 Reais Nennwert, 925 Tausendstel Feingehalt, 40 Millimetern Durchmesser, 27 Gramm Raugewicht und 25 000er Auflage in höchster Sammlerqualität „Polierte Platte“ (PP).

Thematisch sind jeweils vier Münzen der landestypischen Architektur, Fauna und Flora sowie – ein Novum in der olympischen Münzgeschichte – den Musikstilen Brasiliens gewidmet.

Gewürdigt wurden beispielsweise auf den Vorder-/Wertseiten das Sambódromo mit seinem M-förmigen Riesenbogen (Haupt-Karnevalsbühne in Rio und Sportstätte für die olympischen Marathonläufe sowie das olympische und paralympische Bogenschießen) oder der farbenprächtige, im tropischen Urwald Mittel- und Südamerikas beheimatete Tukan-Vogel, dessen gewaltiger Schnabel beeindruckt.

Vom Sambódromo bis zum Bossa Nova Ebenfalls zu Münzehren kamen der Brasilholz-Baum als Namensgeber des Landes (portugiesische Seefahrer hatten es im 16. Jahrhundert nach der an dessen Atlantikküste vorkommenden Rotholzart „Pau Brasil“ benannt) sowie der in den 1950er Jahren aus einer Verschmelzung von moderatem Samba und Cool-Jazz in Rio entstandene Bossa Nova. Das Münzmotiv zeigt einen typischen Musiker am diesbezüglichen Hauptinstrument, der Konzertgitarre. Zu den wichtigsten Interpreten hierbei zählt neben Tom Jobim und João Gilberto auch Baden Powell.

Einheitliche Rückseiten pro Münzenthema

Die Rückseiten mit dem offiziellen Rio-2016-Emblem sind für jede der vier thematischen Münzserien einheitlich. Bei den Architektur-Ausgaben sind Jogger im Flamengo-Park dargestellt, dem olympischen Austragungsort der Wettkämpfe im Gehen und Straßenradrennen. Dazu zeichnet sich im Hintergrund der Zuckerhut ab, das auf einer Halbinsel in der Guanabara-Bucht aufragende Berg-Wahrzeichen von Rio in Form eines gigantischen Zuckerhuts – in abstrahierter Form ist die Bergsilhouette übrigens auch Bestandteil des Rio-2016-Emblems.

Die Fauna-Rückseiten zieren Freizeit-Mountainbiker vor dem Aussichtspavillon Vista Chinesa im höher gelegenen Tijuca-Nationalpark, wo sich auch Rios Corcovado-Hausberg mit der monumentalen Christusstatue auf seiner Spitze befindet.

Auf den Rückseiten der Flora-Serie sind Ruderer auf der Lagune Rodrigo de Freitas (Austragungsort der olympischen Wettkämpfe im Ru- dern, Kanu und Kajak) mit dem Cocovado im Hintergrund dargestellt.

Fehlen noch die Musik-Rückseiten mit Beachvolleyball-Spielern am Copacabana-Strand, wo die olympischen Wettkämpfe in dieser Disziplin, sowie im Freiwasserschwimmen und Triathlon stattfinden. Im Hintergrund ist die dortige Hotelskyline zu sehen, von der aus das markante Wellenmuster der Strandpromenade auf den Münzbetrachter zu verläuft.

Vier numismatische Sahnehäubchen in Gold

Das numismatische Sahnehäubchen des brasilianischen Rio-2016-Münzprogramms bilden vier Goldmünzen, die mit 10 Reais Nennwert, 900 Tausendstel Feingehalt, 16 Millimeter Durchmesser und 4,4 Gramm Raugewicht jeweils 5000 Mal in PP geprägt wurden.

Hier gibt es auch beidseitige Motive, jedoch sind – anders als bei den Silberserien – die Rück-/Wertseiten einheitlich. Sie präsentieren als zentrales Bildelement die bereits erwähnte Christus-Erlöser-Statue „Cristo Redentor“ und daneben das Rio-2016-Emblem.

Dagegen verweisen die Motive der Vorderseiten mit dem lateinischen Motto der Olympischen Spiele in der Umschrift „CITIUS – ALTIUS – FORTIUS“ (Schneller, Höher, Stärker) unmittelbar auf den sportlichen Ausgabeanlass: die Spiele der XXXI. Olympiade. Abgebildet sind je ein Sprinter und Stabhochspringer sowie zwei Ringer, gekrönt vom zuletzt erschienenen Goldmotiv mit der Olympischen Fackel zu Rio 2016.

Wie aus Händlerkreisen verlautet, wird der Komplettsatz aller vier Goldmünzen mit dazugehöriger Originalkassette – als Besonderheit trägt sie einen Verschluss in Form des Rio-2016-Logos – außerhalb Brasiliens kaum angeboten und ist auch hierzulande nur in geringen Stückzahlen erhältlich.

Von lediglich 50 verfügbaren Sätzen ist die Rede, wobei auch von den Gold-Einzelausgaben dem deutschen Sammlermarkt nur wenige Hundert Exemplare zugeteilt worden seien.

Sportarten und Rio-2016-Maskottchen

Zusätzlich zu den olympischen Edelmetallmünzen hat Brasilien auch 16 zweifarbige Sondermünzen in Edelstahl geprägt, die auf dem Ring mit Bronze überzogen sind und von den Spezifikationen her den normalen 1-Real-Kursmünzen entsprechen: 27 Millimeter, 7 Gramm und Stempelglanz-Normalprägung. Auch die Gestaltung der Wertseite mit dem Kreuz des Südens (Sternbild als Symbol für die Lage auf der Südhalbkugel) ist identisch, lediglich die Bildseiten verweisen inklusive der jeweiligen Embleme explizit auf die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in Rio 2016.

Zumeist werden olympische oder paralympische Disziplinen gewürdigt wie die Leichtathletik in Form eines Läufers oder das Boxen sowie das Rugby – erstmals seit 1924 wieder olympische Disziplin in Rio 2016!

Hinzu kommen als Abschlussmotive die beiden olympischen bzw. paralympischen Rio-2016- Maskottchen Tom und VInicius, die somit fortan ebenfalls in Millionenauflagen als Münzmotive im Zahlungsverkehr des Landes vertreten sind.

Aus Sammlersicht sind allerdings in erster Linie die offiziell verpackten Münzkarten der Bimetall- oder besser Bicolorausgaben in bankfrischer Qualität von Interesse, die pro Motiv auf 200.000 Stück staatlich begrenzt sind.

Für den deutschen Sammlermarkt sollen davon übrigens nur je 1000 Exemplare verfügbar sein, die in einem dazu gelieferten, speziell angefertigten Faltalbum gesammelt werden können – schnelles Zugreifen lohnt sich also auch hier!

 

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