Das römische Kognomen Caesar

Das römische Kognomen Caesar

 Im letzten Heft unternahmen wir eine numismatische Reise anhand europäischer Herrscher-Münzporträts des 19./20. Jahrhunderts. Nun folgt ein antiker Streifzug zu den Anfängen des römischen Caesarentums.

Wie reizvoll es sein kann, sich gerade bei Münzen früherer Epochen auf bestimmte Themen oder Motive zu spezialisieren, wurde zuletzt in unserem Beitrag „Monarchenporträts im goldenen Glanz“ (Heft 1/2017, Rubrik: Historisches Gold) anschaulich. Der numismatische Streifzug durch die Herrscherhäuser Europas des 19./20. Jahrhunderts lässt sich aber zeitlich ebenso gut in die Antike verlegen. Folgen Sie uns ins alte Rom, das im ersten Jahrhundert vor und nach Christi Geburt den epochalen Übergang von der Republik zum Kaiserreich erlebte. Die Grundlage hierfür schuf Gaius Julius Caesar, dem es erstmals gelang, die politische Macht Roms einzig in seiner Person diktatorisch zu vereinen und dessen dritter Namenszusatz (siehe Kasten rechts) Bestandteil des Titels späterer römischer Herrscher wurde. Machen wir also eine Reise zu den ersten Caesaren Roms von Gaius Julius bis Domitian.

Von „Caesar“ leiten sich „Kaiser“ und „Zar“ ab

Vorneweg lohnt eine nähere Betrachtung der Schreibweise und Aussprache Caesars, denn im Lateinischen wird ein „c“ vor „a“ als „k“ ausgesprochen. Dies erklärt auch die klangliche Nähe von „Caesar“ (Aussprache: Käsar) zur deutschen Titelbezeichnung „Kaiser“ (althochdeutsch: Keisar), die sich davon ableitet – was gleichfalls für den russischen Kaisertitel „Zar“ gilt. Lediglich in der eingedeutschten Schreibweise „Cäsar“ mit Umlaut wäre somit die Aussprache des Namensanfangs als „tsä“ korrekt. Für den vorliegenden Beitrag bleiben wir bei der originalen Schreibweise Caesar und beginnen inhaltlich mit einem Münzporträt des berühmten Namensgebers Gaius Julius Caesar auf einem Denar, der in seinem Todesjahr 44 v. Chr. und auch posthum vier Jahre später nochmals geprägt wurde. Das Besondere daran ist, dass damals zum ersten Mal ein noch lebender Römer auf Münzen verewigt wurde.

Die Voraussetzung dafür hatte der 100 v. Chr. in Rom geborene Sohn des einflussreichen Patriziergeschlechts „Gens Iulia“ zuvor selber geschaffen. Nachdem er in jungen Jahren den damals üblichen „Cursus honorum“ (Ämterlaufbahn) erfolgreich absolviert hatte, stieg er 59 v. Chr. zum Konsul auf, damals höchstes ziviles und militärisches Amt der römischen Republik. Anschließend erwarb er außenpolitischen Ruhm als Militärstratege und Heerführer durch die Eroberung Galliens – siehe das dort geprägte Münzmotiv unten mit dem Elefanten wohl beim Niedertrampeln einer gallischen Kriegstrompete (Carnyx). Dies begünstigte ihn dabei, sich im Römischen Bürgerkrieg von 49 bis 45 v. Chr. gegen Pompejus durchzusetzen und die Alleinherrschaft zu erringen.

Nachdem Caesar jedoch Anfang des Jahres 44 vom Senat zum Diktator auf Lebenszeit ernannt wurde und zugleich das bislang ungekannte Recht erhielt, Münzen mit seinem Abbild zu prägen, mehrte sich in oppositionellen Senatsfamilien die Furcht vor der Errichtung einer Monarchie. So kam es kurz darauf am 15. März 44 v. Chr. zu jenem legendären „Tyrannenmord“, der seitdem unzählige Male in Kunst, Literatur und später Film thematisiert wurde. Allerdings sollten die an der Erdolchung beteiligten Verschwörer letztlich das Nachsehen haben: Caesars Großneffe und von ihm bestimmter Haupterbe Octavian setzte sich in den nachfolgenden Machtkämpfen 31 v. Chr. als Alleinherrscher durch und führte vier Jahre später in Rom das Kaiserreich ein.

Octavian führte Caesars Autokratie zum Kaiserreich

Zugleich verlieh ihm der Senat den Ehrennamen „Augustus“ (der Erhabene), der wie „Caesar“ ebenfalls in die Titulatur künftiger Kaiser Roms aufgenommen wurde. Numismatisch erinnert hier an den zweiten Caesaren ein um die Jahrtausendwende in Lugdunum (Lyon) geprägter Denar aus der – durch inneren Frieden und Expansion nach außen gekennzeichneten – Blütezeit dessen lang anhaltender Alleinherrschaft bis zu seinem natürlichen Tod im Jahr 14 n. Chr. Von Augustus geht unsere Caesaren-Münzengalerie zunächst weiter mit den Herrschern der julisch-claudischen Dynastie: Tiberius (14–37), Caligula (37–41), Claudius (41–54) und Nero (54–68). Auf Neros Freitod folgte ein Bürgerkrieg, in dem drei Kaiser jeweils nur kurze Zeit regierten: Galba (68–69), Otho (69) und Vitellius (69). Dann setzte sich Vespasian (69–79) im Vierkaiserjahr 69 als Alleinherrscher durch, der die flavische Dynastie gründete und dem seine beiden Söhne Titus (79–81) und Domitian (81–96) folgten. Im zweiten Jahrhundert ging der Titel „Caesar“ schließlich auf den designierten Nachfolger des Kaisers über.

Das römische Kognomen Caesar

Ursprünglich war „Caesar“ ein römisches Kognomen (Beiname), das heißt der dritte Namensteil in der seinerzeit üblichen Namensgebung nach Pränomen (Vorname) und Nomen gentile (Geschlechtsname) – somit auch ein Vorläufer der modernen Nachnamen, die in Europa erst im Mittelalter entstanden. Dem berühmtesten Namensträger Gaius Julius Caesar zufolge soll das Kognomen auf einen seiner Vorfahren zurückgehen, der im Ersten Punischen Krieg einen Elefanten tötete und dafür den Beinamen Caesar (punisch: Elefant) erhielt. Numismatische Hinweise für diese These sind Münzen aus der Zeit Caesars mit dem Elefanten als Wappentier, wie der hier abgebildete Denar aus den Prägejahren 49/48 v. Chr. Nach Caesars gewaltsamen Tod 44 v. Chr. wurde sein Beiname zum Titelbestandteil römischer Kaiser.

 

 

 

 

 

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