Stationen eines historischen Umbruchs

  • Januar 1989
  • Januar 1989

  • 19. Januar 1989  - 
    Gewagte Prognose
    SED-Generalsekretär Erich Honecker erklärt in einer Rede, dass die Berliner Mauer „in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben“ wird, „wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind.“
  • März 1989
  • März 1989

  • 13. März 1989  - 
    Erste Demonstration
    Während der Leipziger Frühjahrsmesse demonstrieren ca. 300 Menschen im Anschluss an ein Friedensgebet in der Nikolaikirche für ihre Ausreise in den Westen und skandieren: „Wir wollen raus! Wir wollen raus!“. Es kommt zu Verhaftungen.
  • Mai 1989
  • Mai 1989

  • 07. Mai 1989  - 
    Gefälschte Ergebnisse
    Die SED-Führung wertet die Kommunalwahl-Ergebnisse als breite Zustimmung der Bevölkerung. Oppositionelle Wahlbeobachter decken jedoch klare Wahlfälschungen seitens der DDR-Regierung auf und protestieren.
  • Juni 1989
  • Juni 1989

  • 27. Juni 1989  - 
    Symbolstarke Öffnung
    Während ungarische Soldaten bereits am 2. Mai mit der Demontage der ersten Grenzanlage in Richtung Wien begannen, durchtrennen die Außenminister von Ungarn und Österreich Gyula Horn und Alois Moch medienwirksam den Grenzzaun zwischen beiden Ländern in der Nähe von Sopron.
  • Juli 1989
  • Juli 1989

  • 07. Juli 1989  - 
    Neuer Politikkurs
    Auf dem Gipfeltreffen des Warschauer Paktes in Bukarest gibt die Sowjetunion offiziell die Breschnew-Doktrin auf. Damit darf jedes Land des Bündnisses ohne Einmischung von außen seinen Kurs und die eigene politische Linie selbst bestimmen. Erich Honecker erleidet einen Zusammenbruch und reist vorzeitig ab.
  • August 1989
  • August 1989

  • 19. August 1989  - 
    Durchlässige Grenze
    Ungarische Oppositionelle laden zu einem „paneuropäischen Picknick“ an die ungarisch-österreichische Grenze bei Sopron. Als symbolische Demonstration für ein grenzenloses Europa wird ein Grenztor geöffnet, durch das über 600 DDR-Bürger nach Österreich stürmen. Sechs Tage später lässt Ungarn weitere 108 DDR-Bürger direkt ausreisen. Hinter den Kulissen sagt Ungarn der Bundesrepublik die Ausreisemöglichkeit für alle DDR-Flüchtlinge zu.
  • 28. August 1989  - 
    Wachsende Flüchtlingsströme
    Die Zahl der Ausreisewilligen aus der DDR steigt rasant. Zwei Auffanglager nahe Budapest sind mit 1.400 Flüchtlingen restlos überfüllt. Weitere Lager müssen errichtet werden, denn nur eine Woche später warten hier bereits mehr als 4.700 Menschen auf ihre Ausreise in den Westen.
  • September 1989
  • September 1989

  • 04. September 1989  - 
    Erste Montagsdemo
    Die Demonstration von etwa 1.200 Menschen im Anschluss an das montägliche Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche ist der Auftakt der legendären regelmäßigen Montagsdemos in der DDR.
  • 11. September 1989  - 
    Ungarische Grenzöffnung
    Ungarn öffnet offiziell um 0 Uhr seine Grenzen zu Österreich. Allein in dieser Sonntagnacht gelangen etwa 5.000 DDR-Flüchtlinge in den Westen.
  • 30. September 1989  - 
    Befreiende Verkündung
    Bundesaußenminister Genscher und Kanzleramtsminister Seiters verkünden auf dem Balkon der Prager Botschaft die Ausreiseerlaubnis der dort gestrandeten ca. 6.000 DDR-Flüchtlinge. Vier Tage später werden diese in verriegelten Sonderzügen über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik gebracht. In Dresden kommt es dabei zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und 5.000 Demonstranten, die auf die Züge aufspringen wollen.
  • Oktober 1989
  • Oktober 1989

  • 02. Oktober 1989  - 
    Legendäre Worte
    Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist auf der vierten Leipziger Montagsdemonstrationen der Ruf „Wir sind das Volk!“ zu hören. Eine Woche später kapituliert die Staatsmacht vor den Protestierenden, dessen Zahl innerhalb des Oktobers explosionsartig von 20.000 auf 300.000 steigt. Die Bilder gehen um die ganze Welt. Auch in anderen Städten der DDR geht man auf die Straße, um gegen das SED-Regime zu demonstrieren.
  • 07. Oktober 1989  - 
    Inszeniertes Staatsjubiläum
    Unbeirrt landesweiter Proteste feiert die DDR-Staatsführung den 40. Geburtstag des Landes. Mit Gewalt und Verhaftungen versuchen bewaffnete Sicherheitskräfte kritische Kundgebungen aufzulösen.
  • 18. Oktober 1989  - 
    Beschlossene Entmachtung
    Staatschef Erich Honecker tritt zurück. Gegen seinen eigenen Willen hat das SED-Zentralkomitee tags zuvor einstimmig die Absetzung Honeckers beschlossen und stellt der Öffentlichkeit Egon Krenz als Nachfolger vor.
  • November 1989
  • November 1989

  • 04. November 1989  - 
    Größte Demonstration
    Die größte systemkritische Demonstration in der Geschichte der DDR findet auf dem Ostberliner Alexanderplatz statt. Während sich hier eine halbe Million Menschen versammeln, gehen auch in anderen Städten des Landes Tausende von Menschen auf die Straße. In Berlin finden fortan tägliche Protestzüge statt.
  • 07. November 1989  - 
    Geschlossener Rücktritt
    Die gesamte Regierung der DDR dankt ab. Am Tag darauf wird in Ostberlin eine dreitägige Sitzung des SED-Zentralkomitees eröffnet, zu deren Beginn auch das Politbüro geschlossen zurücktritt. Die Anzahl der über die CSSR geflüchteten DDR-Bürger erreicht die Marke von 40.000.
  • 09. November 1989  - 
    Historischer Glücksfall
    Was um 18:53 Uhr DDR-Pressesprecher Günter Schabowski der Weltöffentlichkeit beiläufig als neue Reiseregelung verkündet, zieht in den nachfolgenden Stunden eines der glücklichsten Ereignisse der deutschen Geschichte nach sich: der Fall der Berliner Mauer! Nach 28 Jahren liegen sich Ost- und Westberliner jubelnd in der Armen und stürmen unter Freudentränen den bis dahin unüberwindbaren Grenzwall. Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper ordnet spontan die Auszahlung eines Begrüßungsgeldes für jeden DDR-Bürger an. Ebenso kurzfristig werden kulturelle Feiern und politische Kundgebungen organisiert. Tagelang herrscht in Berlin Ausnahmezustand. Menschenmassen aus Ost und West feiern begeistert das sensationelle Ereignis und strömen über die immer zahlreicher werdenden Übergänge. Die ganze Stadt befindet sich über eine Woche im Freudentaumel.
  • 28. November 1989  - 
    Programmatische Annäherung
    Bundeskanzler Kohl gibt im Bundestag ein „Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ bekannt – ein „Fahrplan“ zur Wiedergewinnung der staatlichen Einheit innerhalb von fünf bis zehn Jahren.
  • Dezember 1989
  • Dezember 1989

  • 22. Dezember 1989  - 
    Gemeinsame Öffnung
    Unter dem Jubel von 100.000 Menschen eröffnen DDR-Ministerpräsident Hans Modrow und Bundeskanzler Helmut Kohl die neue Grenzübergangsstelle Brandenburger Tor. Wenige Tage später versammeln sich hier Ost und West zu einer spektakulären Silvesterparty.
  • Januar 1990
  • Januar 1990

  • 08. Januar 1990  - 
    Wegweisende Forderung
    Zur ersten Montagsdemonstration des neuen Jahres versammeln sich in Leipzig erneut über 100.000 Menschen und fordern ein vereintes Deutschland. Etwa einen Monat später stellt DDR-Ministerpräsident Hans Modrow einen Plan zur Vereinigung beider deutschen Staaten vor, der vom sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow akzeptiert wird.
  • Februar 1990
  • Februar 1990

  • 02. Februar 1990  - 
    Internationale Überzeugungsarbeit
    Da eine Wiedervereinigung Deutschlands nur mit der Zustimmung der vier Siegermächte von 1945 möglich ist, wirbt Hans Dietrich Genscher in den USA für die deutschen Pläne.
  • März 1990
  • März 1990

  • 18. März 1990  - 
    Finale Wahlen
    In der DDR findet die erste und gleichzeitig letzte freie demokratische Volkskammerwahl mit einer Wahlbeteiligung von 93,4 Prozent statt. Der Tag markiert das Ende der SED-Herrschaft und ist ein wichtiger Schritt zur Wiedervereinigung.
  • Mai 1990
  • Mai 1990

  • 05. Mai 1990  - 
    Vertrauensvolle Gespräche
    In Bonn findet die erste von insgesamt vier Außenminister-Konferenzen der „Zwei-plus-Vier“-Verhandlungen statt. Hierbei werden in Gesprächen zwischen den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs und den beiden deutschen Staaten die äußeren Aspekte der deutschen Wiedervereinigung, wie Grenzfragen, Bündniszugehörigkeit oder Truppenstärke erörtert.
  • 18. Mai 1990  - 
    Deutsch-deutscher Staatsvertrag
    Was Bundeskanzler Kohl bereits im Februar 1990 ankündigte, findet an diesem Tag seinen vertraglichen Abschluss: die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Kohl bezeichnet die Unterzeichnung als die „Geburtsstunde des freien und einigen Deutschlands“. Zugleich verspricht er den Ostdeutschen „blühende Landschaften“.
  • Juli 1990
  • Juli 1990

  • 01. Juli 1990  - 
    Einheitliche Währung
    Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR tritt in Kraft. Mit dem größten Bargeldaustausch der Wirtschaftsgeschichte ersetzt die westdeutsche D-Mark fortan die „Mark der DDR“. Darüber hinaus werden die Grenzkontrollen zwischen beiden Staaten und innerhalb Berlins abgeschafft.
  • August 1990
  • August 1990

  • 23. August 1990  - 
    Demokratische Beschlüsse
    In den frühen Morgenstunden beschließt die Volkskammer der DDR mit großer Mehrheit „den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990“. Beide deutsche Staaten erarbeiten daraufhin einen deutsch-deutschen Einigungsvertrag. Das fast 1000-seitige Werk wird am 31. August 1990 unterzeichnet und am 20. September 1990 von Bundestag und Volkskammer angenommen.
  • September 1990
  • September 1990

  • 12. September 1990  - 
    Volle Souveränität
    Die Außenminister der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und der beiden deutschen Staaten unterzeichnen in Moskau den „Zwei-plus-Vier-Vertrag“, der am 15.01.1991 in Kraft tritt. Mit der Unterzeichnung einer Zusatzerklärung zur Aussetzung der alliierten Vorbehaltsrechte am 1. Oktober 1990 in New York erhält Deutschland jedoch bereits vor Inkrafttreten des Vertrages seine volle Souveränität über seine äußeren und inneren Angelegenheiten. Das Abkommen besiegelt das Ende des kalten Krieges.
  • Oktober 1990
  • Oktober 1990

  • 03. Oktober 1990  - 
    Vereintes Deutschland
    Punkt 0 Uhr: Deutschland ist wiedervereint! Mit dem Hissen der Bundesflagge unter den Klängen von Nationalhymne und Freiheitsglocke feiern hunderttausende Bürger sowie die höchsten Vertreter aus Ost und West vor dem Berliner Reichstag die „neue“ Bundesrepublik. Auch die schmerzhafte Teilung Berlins ist mit dieser Stunde endlich Geschichte.

    Zeitzeugen

  • Heike M. aus Berlin erinnert sich ...

    In den Tagen vor dem 9. November 1989 verfolgten wir jeden Abend ab 19:00 Uhr aufmerksam die Sendung im Fernsehen der DDR mit den Mitteilungen zu den neuen Maßnahmen der Regierung. Am Abend des 9.November 1989, ein Donnerstag, haben wir wieder beim Abendessen den Fernseher laufen lassen, um die Mitteilung von Günter Schabowski zu hören. Bei der Nachricht, dass alle DDR-Bürger ab sofort ohne Angabe von Gründen in die BRD reisen können, waren wir beide freudig überrascht. Endlich können alle die, die nicht mehr hier bleiben wollen, direkt in die BRD ausreisen. Nun wurden unsere Nachbarn in Tschechien und Ungarn nicht mehr mit unserem Problemen belastet.
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  • Erzählen auch Sie Ihre Geschichte

    Wie haben Sie die Zeit der Wende erlebt? Erzählen Sie uns die Geschichte Ihrer Familie. Gerne können Sie auch passende Bilder aus der Zeit hochladen.

    Geschichten von Zeitzeugen

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