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Wer eine umfassende, historische Deutschland-Sammlung aufbauen will, geht auf Zeitreise bis in die römische Antike. Auf dem Weg liegen Kaiserreich-Markstücke, barocke Taler, mittelalterliche Groschen, Pfennige und die ersten Denare.
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Vor über zwei Jahrtausenden lernten die alten Germanen, die bis dahin noch überwiegend Tauschwirtschaft betrieben hatten, in Form römischer Silber-Denare das erste „gute“ Münzgeld kennen.
Insbesondere Söldner, die in römischen Diensten standen und ihren Jahressold in Denaren ausbezahlt bekamen, trugen zu deren Verbreitung in der Heimat bei. Zu Zeiten der Römischen Republik im zweiten und ersten Jahrhundert vor Christus trugen die Denare oftmals Abbildungen von Göttern, wie Apollos Kopfporträt oder Jupiter mit Blitz in einer Quadriga, dem antiken Viergespann. Später prägten dann die jeweiligen Kaiser das Münzbild.
Nach dem Ende des Römischen Reiches und dem zwischenzeitigen Verfall der Silberwährung erlebte der Denar unter Kaiser Karl dem Großen (768-814) seine Wiedergeburt. Im germanischen Sprachbereich als Pfennig bezeichnet, entwickelte sich der Denar in der Folge zur Hauptmünze des Früh- und Hochmittelalters.
Brakteaten & Groschen
Als infolge von Münzverschlechterungen die Pfennige immer dünner wurden und das Münzbild nicht mehr zu erkennen war, ging man zur einseitigen, hohlen Prägung über. Unter den bis über vier Zentimeter großen Hohlpfennigen, sogenannte Brakteate, finden sich aus ihrer Blütezeit um das 12./13. Jahrhundert vielfach künstlerische Meisterwerke. Zu den häufigsten Motiven gehören die jeweiligen weltlichen oder geistlichen Herrscher sowie Heilige, aber auch Tiere und Bauwerke.
Das hier gezeigte Münzbeispiel zeigt den thronenden Bischof von Hildesheim. Aufgrund des gestiegenen Geldbedarfs wurden die einfachen Denare und Brakteaten am Übergang zum 14. Jahrhundert von den größeren bzw. dickeren Groschen verdrängt, die vom Wert her 12 Pfennigen entsprachen. Berühmt waren die vom böhmischen König geprägten Prager Groschen mit dem gekrönten Wappenlöwen, die von den Kaufleuten in deutschen Handelsstädten begeistert aufgenommen wurden.
So entwickelte sich der Groschen zur wichtigsten Münze des ausgehenden Mittelalters. Sein Name hielt sich übrigens bis in die Neuzeit, zum Beispiel als Hundertstel des alten österreichischen Schillings, oder umgangssprachlich für das ehemalige 10-Pfennig-Stück der deutschen Mark-Ära. |
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in den deutschen Staaten die erste bedeutende Goldmünzen-Prägung ein. Nach florentinischem Vorbild ließen die Fürsten den Floren bzw. (Gold-) Gulden prägen, der allerdings später vom Dukaten verdrängt wurde. Damit wurde den Anforderungen des gestiegenen Handels in Europa Tribut gezollt.
Allerdings wurde auch der Ruf nach einer größeren, demWert eines Guldens entsprechenden Silbermünze lauter. Damit war die Stunde des Talers gekommen, der seinen vier Jahrhunderte dauernden Siegeszug antrat. Erstmals geprägt wurde der Taler – noch unter der Bezeichnung Guldengroschen oder Guldiner – vom Tiroler Erzherzog Sigismund 1486 in Hall.
Seinen späteren Namen erhielt der Taler (anfangs “Thaler”) jedoch von den ab etwa 1520 im böhmischen Joachimsthal in besonders großen Auflagen geprägten und weit verbreiteten „Großen Groschen“. Der neue, um die 30 Gramm schwere Taler war anfangs je nach Land oder Münzordnung zwischen 21 und 24 Groschen wert. Im alltäglichen Münzverkehr benutzte man deshalb meist kleinere Stückelungen, wie beispielsweise die beliebten 2/3-Taler.
Münzkonvention 1753
Die hier gezeigte Ausgabe des sächsischen Herzogs Friedrich August III. aus dem Jahr 1769 ist ein eindrucksvolles Dokument für die zwischen Österreich und Bayern geschlossene Münzkonvention von 1753, nach der aus einer Kölner Mark (damalige Gewichtseinheit = 234 Gramm) Feinsilber zehn Taler geprägt werden.
Diesem Münzfuß schlossen sich die meisten deutschen Staaten wie auch Sachsen an. Deshalb lautet die Umschrift des Konventionstalers von 1769: XX EINE MARCK F.(EIN). Das heißt, der 2/3-Taler Sachsens nach altem Leipziger Fuß entsprach nun einem halben Konventionstaler, von dem sich aus einer feinen Kölner Mark entsprechend 20 Stück ergeben. |
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Im 19. Jahrhundert startete Bayerns König Ludwig I. (1825-1848) eine groß angelegte, bis dato einzigartige Serie von in Silber geprägten Gedenkmünzen zur Landesgeschichte, die von seinem Nachfolger Maximilian II. (1848-1864) weitergeführt wurde.
Darunter ist auch der Doppelgulden von 1855 mit dem Mariendenkmal als Sinnbild für die Landesmutter „Patrona Bavariæ“. Die Umschrift verweist auf den eigentlichen Ausgabeanlass: ZUR ERINNERUNG AN DIE WIEDERHERSTELLUNG DER MARIENSÄULE IN MÜNCHEN 1855.
Krönungstaler vom deutschen Einheitskaiser
Die historisch gesehen vom Thema her vielleicht bedeutendste Gedenkmünze jener Zeit kam jedoch wenige Jahre später von Preußen, das 1861 sein Königspaar Augusta und Wilhelm I. mit einem Krönungstaler würdigte.
Am 18. Oktober desselben Jahres fand die Krönung des neuen preußischen Königs statt, der ein Jahrzehnt später als „Einheitskaiser“ der vereinigten deutschen Staaten im frisch gegründeten Kaiserreich erstmals vorstehen durfte. |
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Auch aus numismatischer Sicht begann 1871 eine neue Epoche. Endlich gab es für alle beteiligten deutschen Staaten erstmals eine einzige einheitliche Währung: die Mark. Es bedeutete zugleich das Aus für alle anderen bisherigen Währungen bzw. Münztypen, vom Gulden bis zum Kreuzer.
Dies galt leider auch für den Taler, wenngleich dieser für eine Übergangsfrist noch im Zahlungsverkehr akzeptiert wurde. Erst am 1. Oktober 1907 verloren die alten deutschen Taler, die bis dahin im Kaiserreich drei Mark gegolten hatten, offiziell ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Um die Lücke im Geldumlauf durch die fortan fehlendeWertstufe zu ersetzen, wurde im Jahr darauf die 3-Mark-Silbermünze eingeführt, denn bis dahin gab es nur große Silbermünzen zu 2 und 5 Mark.
Gedenkmünzen in 2, 3 und 5 Mark Silber
Diese beiden – später drei – größten Nominale in Silber spielten übrigens eine besondere Rolle, da ab 1901 ausschließlich damit die Gedenkmünzen des Deutschen Kaiserreichs geprägt werden durften. Den Anfang machten die 2- und 5-Mark-Stücke Preußens zur 200-Jahr-Feier des Königreichs 1901.
Den Schlussstrich markierte die berühmte 3-Mark-Münze Sachsens „Friedrich der Weise“ von 1917 anlässlich des 400-jährigen Reformationsjubiläums – heute die wertvollste Silbermünze aus der Kaiserzeit. Dazwischen beteiligten sich die meisten Bundesstaaten mit eigenen Gedenkausgaben.
Stellvertretend sei hier die mit 2 und 3 Mark Nennwert geprägte Silbermünze Preußens zum 25-jährigen Amtsjubiläum von Wilhelm II. 1913 vorgestellt.
Pionier in 20 Mark Gold
Die erste Kaiserreich-Münze, somit also der numismatische Pionier, wurde noch in unedlem Metall als kleine Kursmünze
geprägt, sondern als höchste Wertstufe des Kaiserreichs in 20 Mark Gold. Sie stammt vom größten Bundesland Preußen und trägt das Porträt des ersten Kaisers Wilhelm I.
Danach folgten auch von den anderen Bundesstaaten Goldmünzen mit 10 und 20 Mark Nennwert, sowie kurzzeitig in den Jahren 1877/78 auch zu 5 Mark. Aus Preußen wiederum stammt auch die letzte Reichsgoldmünze, die 1915 mit 20 Mark Nennwert und dem Porträt von Wilhelm II. geprägt wurde.
Allerdings wurde sie wegen des Ersten Weltkrieges nicht herausgegeben, weshalb sie extrem selten und kostbar ist. Dies gilt übrigens in abgeschwächter Form auch für nahezu alle Goldmünzen des Kaiserreichs, da die meisten Exemplare in Folge der Kriegswirren eingezogen wurden, verloren gingen oder sonst wie verschwanden. |
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Nur noch minimale Bruchstücke einstiger Prägemengen sind ebenfalls von den Gedenkmünzen der aufs Kaiserreich folgenden Weimarer Republik vorhanden.
Die in Silber geprägten Ausgaben zu 3 und 5 Reichsmark wurden nämlich von der NS-Diktatur per Gesetz außer Kurs gesetzt und eingezogen. Aus heutiger Sicht ist dies umso bedauerlicher, als es sich dabei nicht nur um beredte Zeugnisse für Weimars demokratisches Erbe handelt, sondern auch für die damalige Blütezeit deutscher Münzprägung.
Ende einer glanzvollen Epoche
Mit Anbruch des Dritten Reichs hatte diese glanzvolle Epoche ein Ende. Gerade mal drei Gedenkmünzen wurden vom Hitler-Regime herausgegeben, ehe sich die Kriegsmaschinerie in Gang setzte. Die erste erschien im Jahr der Machtgreifung zu Ehren des 450. Geburtstags von Martin Luther.
Danach wurde auf einer Ausgabe desgleichen zu 2 und 5 Reichsmark die Potsdamer Garnisonskirche 1934 gewürdigt,
wo ein Jahr zuvor nach dem Brand des alten Gebäudes der Reichstag eröffnet wurde. Die letzte offizielle Gedenkmünze des Dritten Reichs war Friedrich von Schiller zu seinem 175. Geburtstag gewidmet und erschien ebenso 1934. |
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Mit dem Ende des ZweitenWeltkriegs und der vier Jahrzehnte währenden Periode des geteilten Landes beginnt der jüngste Abschnitt deutscher Münzgeschichte, dessen Anfänge vielen „Alten Hasen“ unter den Sammlern noch gut in Erinnerung sein dürfte.
Während in den sowjetisch besetzten Gebieten im Jahr 1949 die Deutsche Demokratische Republik entstand, formierte sich in den westlichen Zonen die Bundesrepublik. Die ersten eigenen Münzen lauteten hier zunächst noch auf „Bank Deutscher Länder“, ab 1950 stand dann in der Umschrift „Bundesrepublik Deutschland“.
Zugleich wurde per Münzgesetz das 5-DM-Stück als höchsteWertstufe festgelegt, das als geprägtes Symbol bald schon dasWirtschaftswunder verkörperte. Die erste Gedenkmünze der Bundesrepublik – das berühmte „Germanische Museum“, dessen DDR-Pendant der 1966er „Schinkel“ ist – wurde im Jahr 1952 geprägt.
Damit startete die erfolgreiche DMark-Kollektion, die mit der über Sammlerkreise hinaus bekannten Gold-Mark 2001 ihren Abschluss fand. Zugleich läutete die erste und letzte DM-Goldmünze – nachdem die DDR bereits 1990 zum beliebten, abgeschlossenen Sammelgebiet geworden war – das heutige Euro-Zeitalter ein, dessen neue Kursmünzen seit 2002 in unseren Geldbörsen klimpern und die Rückkehr aus der kleinen numismatischen Zeitreise erleichtern. |
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50-Pfennig von 1950 mit der Bezeichnung "Bank deutscher Länder!
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