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Die deutschen 10-Euromünzen 2012

Übersicht: Deutsches Gedenkmünzenprogramm der 10-Euro-Münzen 2012

  • 09.02.2012: 300. Geburtstag Friedrich der Große (10-Euro, CuNi/Ag)
  • 12.04.2012: 50 Jahre Welthungerhilfe (10-Euro, CuNi/Ag)
  • 14.06.2012: 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (10-Euro, CuNi/Ag)
  • 13.09.2012: 100 Jahre Deutsche Nationalbibliothek (10-Euro, CuNi/Ag)
  • 08.11.2012: 150. Geburtstag Gerhart Hauptmann (10-Euro, CuNi/Ag)

Die erste 10-Euro-Gedenkmünze des Jahres 2012: "300. Geburtstag von Friedrich dem Großen"

Kein Preußenkönig vor ihm und keiner danach erlangte die Berühmtheit von Friedrich II, den man schon zu Lebzeiten "den Großen" nannte. Und keiner regierte das Königreich länger als er: 46 Jahre, zwei Monate und 17 Tage war er im Amt und führte Preußen durch Krieg und Diplomatie zur Großmacht.

Er war absoluter Herrscher und genialer Heerführer, Aufklärer und Freigeist. Er war der "Philosoph von Sanssouci", Hundenarr und Frauenfeind. Sein facettenreicher Charakter machte Friedrich II. zu einer der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Altbundespräsident Richard von Weizsäcker sagte einmal über Friedrich den Großen: "Die einen verherrlichen ihn als Vorbild eines Herrschers – und sie haben Recht. Andere verdammen ihn als gewissenlosen Zyniker – auch sie haben Gründe dafür."

Friedrich der GroßeAm 24. Januar 2012 jährt sich der Geburtstag von Friedrich II. zum 300. Mal. Wenige Tage später, am 9. Februar, ist der Erstausgabetag einer 10-Euro-Gedenkmünze zu seinen Ehren geplant. Das Modell stammt von Erich Ott aus München, der als Motiv-Vorlage das einzige authentische Bildnis von Friedrich dem Großen wählte.

Es wurde 1763 geschaffen von dem Porträtmaler Johann Georg Ziesenis, dem Friedrich als Einzigem persönlich Modell gesessen hatte. Als Umschrift findet sich – neben den Daten zum Ausgabeanlass – ein berühmtes Zitat des Monarchen: "In meinem Staate kann jeder nach seiner Façon selig werden". Es stammt aus den ersten Regierungstagen des Königs und wird als klares Bekenntnis zu Toleranz und Eigenverantwortung gewertet.

"Insgesamt werden damit die aktuellen Botschaften des Jubiläums 2012 vermittelt, Friedrich II. als europäischen Herrscher des 18. Jahrhunderts im Sinne der Aufklärung zu verstehen", begründet die Wettbewerbs-Jury seine Entscheidung für den 1. Preis. Gelobt werden außerdem die "klare Formensprache und Typografie" von Bild- und Wertseite, die durch "einen prägnanten Bundesadler bestimmt ist." Ein weiteres Zitat Friedrichs (aus seinem politischen Testament von 1752) wurde als Randschrift festgelegt: "MICH MEINEN MITBÜRGERN NÜTZLICH ERWEISEN".

"Interessanter künstlerischer Entwurf"

Zahlreiche Lebensweisheiten sind vom "Alten Fritz" überliefert. So schreibt er in seinem Buch "Der Siebenjährige Krieg": "Andere Ehrgeizige werden neue Kriege erregen und neues Unheil verursachen. Denn es ist eine Eigentümlichkeit des menschlichen Geistes, dass Beispiele keinen bessern. Die Torheiten der Väter sind für ihre Kinder verloren. Jede Generation muss ihre eigenen begehen."

Die Rückseite der MünzeHans-Joa Dobler aus Walda, der den 2. Preis im Münzwettbewerb errang, hat sich die Mühe gemacht und dieses gesamte Zitat auf dem drei Zentimeter kleinen Rund der Münze unterzubringen. Die Buchstaben bilden einen reizvollen Kontrast zum kerbschnittartigen Brustbild von Friedrich II., das im Zentrum der Bildseite steht. Das Preisgericht lobte den "interessanten künstlerischen Entwurf", bemängelte aber gleichzeitig die "inhaltliche Fokussierung auf nur eine Facette der Persönlichkeit des Preußenkönigs".

Der 3. Preis im Münzwettbewerb wurde Carsten Theumer aus Höhnstedt zugesprochen, der die Totenmaske Friedrichs II. als Vorlage verwandte und in die Umschrift zwei kleine Darstellungen der vom König so geliebten Windhunde einbettete. Es wurde im Preisgericht "kontrovers diskutiert", ob es dem Ausgabeanlass gerecht wird, wenn zur Würdigung seines Geburtstags das Bildnis der Totenmaske des Königs gezeigt wird.

Auf Platz 4 landete eine Arbeit von Ulrich Böhme aus Stuttgart, der das wohl populärste Bild Friedrichs des Großen von Anton Graff (spiegelverkehrt) mit einem Holzschnitt Adolph von Menzels im Hintergrund kombiniert. "Die Darstellung vermittelt damit das kräftige "augenleuchtende" Herrscherbild mit der hinfälligen Menschlichkeit des Monarchen. Friedrich ist ebenso dem Betrachter zugewandt, wie er ihm den Rücken kehrt." Die Umsetzung des Reliefs in eine Münze erschien der Jury allerdings "problematisch".

Wie seit der Umstellung der Spezifikationen im Juni 2011 üblich, erscheint die Münze mit zwei unterschiedlichen Wertseiten, bei der die Spiegelglanz-Version aus Edelmetall zusätzlich den Schriftzug "Silber 625" trägt. Über die Auflagen schweigt sich das Bundesfinanzministerium noch aus.

Die dritte 10-Euro-Gedenkmünze des Jahres 2012: "100 Jahre Deutsche Nationalbibliothek"

Für September 2012 ist die Ausgabe einer 10-Euro-Gedenkmünze geplant, die dem Thema „100 Jahre Deutsche Nationalbibliothek“ gewidmet ist. Das Bundeskabinett entschied sich für einen Entwurf von Victor Huster aus Baden-Baden, der im Münzwettbewerb den 1. Preis gewonnen hatte.

Es verwundert eigentlich, dass es im „Land der Dichter und Denker“ eine Nationalbibliothek erst seit 100 Jahren gibt. Ist sie doch eine Institution, die zur Aufgabe hat, das wissenschaftliche und kulturelle Erbe Deutschlands zu sammeln, zu dokumentieren und zu archivieren.

Der Anstoß, das nationale Schrifttum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und für die Nachwelt zu erhalten, kam vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler. Er gründete, unterstützt vom Königreich Sachsen und der Stadt Leipzig, am 3. Oktober 1912 die Deutsche Bücherei. Sie ist eine der drei Vorgängereinrichtungen der heutigen Deutschen Nationalbibliothek, zu denen auch die nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt am Main gegründete Deutsche Bibliothek und das Deutsche Musikarchiv gehören, das letztes Jahr von Berlin nach Leipzig umgezogen ist.

Mittlerweile werden längst nicht mehr nur gedruckte Publikationen wie Bücher oder Notenblätter archiviert, sondern auch alle Arten von Tonträgern und elektronischen Medienwerken. 2006 wurde der Sammelauftrag per Gesetz auch auf Veröffentlichungen im Internet erweitert, die heute ebenfalls zum kulturellen Erbe Deutschlands gezählt werden.

Die Deutsche Nationalbibliothek stellt ihre Sammlungen nicht nur der Forschung und Wissenschaft zur Verfügung, sondern der gesamten Öffentlichkeit. Die beiden Präsenzbibliotheken in Leipzig und Frankfurt, in deren Magazinen rund 25 Millionen Medieneinheiten lagern, werden täglich von mehr als 20.000 Menschen genutzt. Allein in den Lesesälen stehen über 800.000 Werke bereit.

Bücher und Noten im Kopf

Wie setzt man das 100-jährige Jubiläum einer solchen Institution nun auf dem 32,5 Millimeter messenden Rund einer Gedenkmünze plastisch um? Das war die Frage, der sich auch die zum Gestaltungswettbewerb eingeladenen Künstler stellen mussten.

100 Jahre NationalbibliothekVictor Huster aus Baden-Baden, der Medailleur mit der unverkennbaren Handschrift, entschied sich für eine Collage aus Sammlungsgegenständen der Bibiliothek, die in einen menschlichem Kopf projiziert werden. Das Preisgericht war sehr angetan und lobt den siegreichen Entwurf als „schwungvolle, dynamische, junge Komposition“.

Das Gesicht auf der Bildseite steht stellvertretend für die Leser in der Bibliothek, Bücher und Buchstaben für Schriftgut, die binären Zeichen für die digitale Welt und Notenschlüssel stellvertretend für Musik und Tonträger. „Die Zusammenstellung von Nutzung und Sammlung, von Mensch und Werk charakterisiert die Bibliothek sehr treffend. Sie abstrahiert von konkreten baulichen Gegebenheiten, Orten und Bildern und zeigt inhaltlich doch all das, was die Deutsche Nationalbibliothek ausmacht“, lobt die Jury einstimmig.

Auch die Wertseite mit ihrem künstlerisch gestalteten „hoheitlich würdigen Adler“ sei ein „wunderbares Pendant zur Bildseite“. Lediglich der Schriftzug „Silber 625“ für die Spiegelglanzversion müsse deutlich größer gestaltet werden. Bis zur endgültigen Prägung der Münze wird dieser Punkt noch geändert.

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